Die medizinische Versorgung in Äthiopien ist nach wie vor als unzureichend zu bewerten. Zwar wurde in den 90er Jahren eine Grundstrukturierung vorgenommen, jedoch gibt es regional große Unterschiede.

Manchmal ergeben sich bereits von einer Gemeinde zur nächsten, grundsätzlich andere Bedingungen und Systeme bezüglich der Versorgung oder auch der Abrechnung.

Eine allgemeine Krankenversicherung gibt es in Äthiopien bislang nicht. Allerdings können besonders arme Menschen in ihrer Heimatgemeinde eine Bescheinigung beantragen, damit sie eine kostenlose medizinische Versorgung erhalten. In der Praxis steht diese einem Großteil der Bevölkerung zu, da in Äthiopien der Anteil armer Menschen noch immer besonders hoch ist.

Anders als in Deutschland, in dem eine gesetzliche Krankenversicherung (oder auch private) für alle Pflicht ist, ist diese in Äthiopien nur für ca. 11.000 Regierungsangestellte verfügbar. Daneben gibt es in Äthiopien auch mindestens 7 private Gesundheitsversicherungen. Hinzu kommen dann die – zumeist zeitlich begrenzten – Projekte im Gesundheitsbereich, die von ausländischen Organisationen unterhalten werden.

Dennoch hatten etwa die Hälfte der Äthiopier, laut Regierungsangaben (aus dem Jahr 2006), Probleme beim Zugang zu Gesundheitseinrichtungen. Landesweit fehlen ausgereifte technische Möglichkeiten, es fehlt an gut ausgebildeten Ärzten, sowie an Medikamenten.

Die grundsätzliche Verfügbarkeit von Medikamenten und Sanitätsartikeln hat sich zwar in den letzten Jahren verbessert, doch aufgrund von Import und schlechter Organisation ist die angemessene Verteilung dieser nicht immer gewährleistet.

Staatliche und private Gesundheitseinrichtungen

Laut WHO (World Health Organisation) im Mai 2005 gibt es in Äthiopien 126 Hospitäler, 519 Gesundheitszentren, 1797 Gesundheitsstationen, 2899 Gesundheitsposten, sowie 1299 private Kliniken. Diese Zahlen beziehen sich auf das Land Äthiopien mit 73 Mio. Einwohnern. Weiterhin unterhält einen Großteil dieser Einrichtungen die äthiopische Regierung.

In Äthiopien sind die Hospitalbetten sehr knapp, was zu langen Wartezeiten führen kann. Weltweit gesehen, hat Äthiopien weiterhin die niedrigsten Raten an Hospitalbetten überhaupt.

Auch die Qualität der Pflege in Kliniken und sonstigen Gesundheitseinrichtungen variiert sehr stark – je nach Ausbildungsstand der dort Beschäftigten.

In einem Großteil der ländlichen Gebiete gibt es offensichtlich bis heute keinerlei Gesundheitseinrichtungen. Auch die Versorgung mit Medikamenten und sonstigem medizinischen Material ist nicht gegeben. Kranke Menschen müssen weite, beschwerliche Reisen auf sich nehmen, um sich in eine Klinik oder ein Gesundheitszentrum zu begeben – und dort kommt eine lange Wartezeit hinzu, da diese ohnehin schon stark überlastet sind.

Der Gesundheitszustand in der Bevölkerung

Im Vergleich zu anderen Ländern mit einer hohen Armutsrate ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung in Äthiopien sehr schlecht.  Beginnend mit einer schlechten Trinkwasserversorgung sind die Möglichkeiten der Hygiene im Ernährungsbereich als äußerst schwierig einzuschätzen.

Dies hat unter anderem Krankheiten wie Infektionen mit Hepatitis A, Typhus, Ruhr, Lambliasis, sowie Wurmerkrankungen zur Folge. Auch HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose sind in Äthiopien sehr häufige Erkrankungen. Eine Behandlung von spezifischen Krankheiten (z.B. Herzerkrankungen und Krebs) sind nicht, oder nur auf einfachstem Niveau möglich.